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Eröffnung ERIK VAN LIESHOUT 27. Oktober 2010

28 Okt

Eröffnungsrede von Frederic Steinfeld

Guten Abend meine Damen und Herren,

ein Mann fährt auf seinem Fahrrad durch Deutschland und filmt sich dabei selbst. Auf seiner Reise begegnet er antisemitischen Frauen, frauenfeindlichen Männern, gewaltbereiten Jugendlichen. Aus nächster Nähe gefilmt, lassen diese Menschen den scheinbar unverfälschten Blick auf ihre Mentalität zu – und das alles vor laufender Kamera. All dies klingt nach einer völlig abwegigen Geschichte, wenn der Mann hinter der Kamera nicht der holländische Künstler Erik van Lieshout wäre, der in diesem und anderen Filmen ein bestimmtes Motiv verfolgt.

Konfrontation. Durch Konfrontation lässt Lieshout die direkte Nähe zu seinen Protagonisten entstehen. Während er sich in Interviews selbst als Kontrollbesessenen beschreibt, sind es doch gerade die Momente in seinen Filmen, in denen er die Kontrolle verliert, die sein Werk so besonders machen.

Erik van Lieshout wurde 1968 in Deurne in den Niederlanden geboren. Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Hertogenbosch und an den Ateliers 64 in Amsterdam. Heute lebt und arbeitet er in Rotterdam und Köln. Neben seiner von uns behandelten Videokunst beschäftigt er sich ebenfalls mit Malerei und Fotografie.

Lieshout baut eine enge Beziehung zu den Menschen auf, die er filmt. Über diese Ebene des Vertrauens kommen die Gespräche und Handlungen zustande, die für seine Filme so charakteristisch sind. Bemerkenswert dabei ist, dass diese Leute ganz genau wissen, dass sie gefilmt werden. Aufnahmen mit versteckter Kamera sind für van Lieshout nicht denkbar.

Die dadurch entstehenden Werke sind daher eine schwierige Gratwanderung. Die Gefilmten legen ihre Aussagen in die Hände des Künstlers, der völlig frei über sie verfügen kann. Ob nun ein Zitat völlig aus dem Kontext gerissen wird oder eine Aussage einen völlig anderen Effekt bewirkt, als ursprünglich gewollt – all dies liegt in der Hand van Lieshouts.

Die Aussagen der Protagonisten rufen häufig ein gewisses Gefühl der Scham, genauer, des Fremdschämens, hervor. Und dies bewusst. Lieshout bringt sich ganz gezielt in Situationen, die peinlich sind und zeigt Dinge auf, über die manch anderer lieber nicht sprechen würde. (weiterlesen…)

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