Eröffnungsrede von Daniel Doumerc
Guten Abend meine Damen und Herren,
ich weiß nicht, ob Sie sich den Film bereits ansehen konnten. Ich habe ihn heute bestimmt zum 20. Mal gesehen und wie beim ersten Mal ist mir eine Stelle besonders aufgefallen. Der englischsprachige Erzähler sagt in tiefer Stimme die Worte „Arms for hostages“
Waffen für Geiseln! Vielleicht liegt es in der Natur eines Historikers Fragen an ein solches Zitat zu stellen. Fragen wie: „Wer hat die Waffen an wen weitergeben?“ oder „Wer waren diese Geiseln?“ Vielleicht stellen Sie sich ja ähnliche Fragen. Wenn dem so ist, dann bin ich ihr Mann für die nächsten 5 Minuten. Doch gestatten Sie mir zunächst ein paar Worte zum Künstler:
Walid Raad wurde 1967 im Libanon geboren. Seit 1984 lebt und arbeitet er in den Vereinigten Staaten. Die Atlas Group ist ein Projekt, das Raad bereits 1989 begonnen hatte. Über diese Plattform hat sich Raad bis ins Jahr 2004 mit der neueren Geschichte seines Heimatlandes, dem Libanon, beschäftigt. Genauer gesagt spielen alle Werke der Atlas Group auf den libanesischen Bürgerkrieg an, der von 1975 bis 1991 andauerte.
Die Atlas Group ist keine wirkliche Gruppierung, sondern eine Erfindung Walid Raads. Sie hat ihren fiktiven Sitz in New York und Beirut. Im Atlas Archive werden Dokumente aus der Zeit des Bürgerkriegs gesammelt. Aber es handelt sich – und das wird auch im Archiv hervorgehoben – um von der Atlas Group produzierte Dokumente.
Mit einem dieser Dokumente, nämlich dem Film „Hostage. The Bachar Tapes 17 & 31“, eröffnet heute unsere Studiengalerie.
Der Zuschauer bekommt zwei Videobänder zu sehen, in denen der Libanese Soulheil Bachar von seiner 10-jährigen Geiselhaft berichtet. Angeblich produzierte die Atlas Group in Zusammenarbeit mit Bachar 53 Videobänder. Doch in der ersten Einstellung lesen wir, dass nur zwei dieser Bänder außerhalb des Libanons gezeigt werden dürfen. In diesen Bändern, 17 und 31, geht es speziell um das Verhältnis zwischen Bachar und seinen amerikanischen Mitgefangenen. (weiterlesen…)





